Das Henne-Ei-Problem
Heute betrachteten wir in meiner Vorlesung die Entwicklung der Konzepte (und Begriffe) rund um Nachhaltige Entwicklung (NE) und Corporate Social Responsibility (CSR). Und immer wieder ertappe ich mich dabei die Frage zu stellen: Was war zuerst da – die Henne oder das Ei … NE oder CSR? Auch wenn das zugegeben den meisten Unternehmen die sich diesen Themen widmen herzlich egal sein wird so regt sich in mir doch immer auch eine gewisse akademische Neugier.
Deshalb habe ich diesmal auch erstmals drei Quellen für die Vorlesung zusammengestellt, die sich in Details unterscheiden ansonsten aber (erwartungsgemäss) das selbe Bild zeichnen.
Keep it simple.
Bisher verwendete ich in meinen Präsentation eigentlich immer Martin Neureiters Darstellung, die ich 2008 in einer Präsentation der CSR Company entdeckt habe. Das tolle daran ist, dass hier wirklich nur auf das wesentliche Bezug genommen wird und die Bilder die Verständlichkeit unterstützen. Insbesondere bei kürzeren Vorträgen ist das nützlich.
Das Original.
Thomas Loew lieferte 2004 die erste mir bekannte Darstellung in dem Bericht zur Bedeutung der internationalen CSR-Diskussion für Nachhaltigkeit und die sich daraus ergebenden Anforderungen an Unternehmen, verfasst von future e.V. und IÖW. Zur übersichtlichen Einführung der wichtigsten Begriffe finde ich diese Darstellung ausgesprochen geeignet.
Vollständig und aktuell.
Ganz neu ist Andreas Schneiders Darstellung (gestaltet gemeinsam mit Bettina Lorentschitsch und Thomas Walker) erschienen in Corporate Social Responsibility, herausgegeben von Andreas Schneider und René Schmidpeter und 2012 im Springer Gabler Verlag herausgekommen. Insbesondere die umfangreiche Aufnahme von aktuellen Themen der Diskussion, wie der neuen CSR-Definition der Europäischen Kommission aber auch der Rio+20 Konferenz tragen zu einer guten Übersicht bei. Da verzeihe ich den Autoren auch die Aufnahme des 2. Buch Mose als Ausgangspunkt der CSR Diskussion – das ist mir persönlich etwas weit hergeholt (obwohl sich sicher auch das argumentieren lässt).
Fazit.
Helmut Qualtinger würde jetzt wahrscheinlich fragen, “za wos brauch ma des”, wenn sich doch Unternehmen – die Adressaten des Konzepts CSR – nicht oder kaum für theoretische Hintergründe interessieren. “Wir” brauchen es vor allem für eine andere Zielgruppe: die Vielzahl an Expertinnen und Experten die sich in diesem Feld tummeln. Uns allen würde es gut tun, endlich zu einem gemeinsamem Begriffsuniversum zu finden (und sich dazu zu bekennen). Viele endlose Podiumsdiskussionen zu Definitionen und Abgrenzungen (ja, die gibt es auch noch im Jahr 2012!) könnten wir uns ersparen und endlich einmal zur Sache – der Umsetzung – kommen!
Ein Nachhaltigkeitsquiz
Wieder einmal versuche ich meinen Blog zu beleben und mit Inhalten zu füllen. Konkreter Anlass ist dieses Mal meine Vorlesung an der Wirtschaftsuniversität Wien zum Thema “Corporate Social Responsibility (CSR) – Die Verantwortung der Unternehmen für ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft”. Anhand der 12 Einheiten werde ich – manchmal kürzer, manchmal ausführlicher – verschiedene Themen aufgreifen und hier darüber schreiben.
Die Lehrveranstaltungen der GeKo-Reihe (steht für Gesellschaftlicher Kontext wirtschaftlichen Handelns”) wollen die Fähigkeiten der Studierenden fördern, bei wirtschaftlichen Entscheidungen ethische, soziale und umweltpolitische Probleme mitzureflektieren. In diesem Sinne beginne ich die Vorlesung (und eigentlich fast jedes Seminar in den vergangenen Jahren) auch gleich mit einem Nachhaltigkeitsquiz, dass dazu anregen soll, sich die globalen Zusammenhänge und Herausforderungen bewusst zu machen. Zu den Fragen gibt es dann jeweils natürlich eine Auflösung und im Anschluss daran die Diskussion für die jeweilige Zielgruppe relevanter Inhalte.
Das sieht dann ungefähr so aus:
Allerdings ohne Auflösung und ohne weitere Details zu den Themenbereichen :-)
Das Quiz ist immer eine gute Gelegenheit die ZuhörerInnen kennenzulernen sowie deren Wissen über Nachhaltige Entwicklung zu sondieren. Und es ergeben sich fast immer angeregte Gespräche. Gestern zum Beispiel hat sich, nach dem Video von Hans Rosling zur Bevölkerungsentwicklung, eine gute Diskussion zu der Vielschichtigkeit der Herausforderungen vor denen die Gesellschaft steht entwickelt.
Biorama fragt, Expertinnen und Experten antworten!
Das Magazin für Nachhaltigen Lebensstil Biorama stellt auf der Webseite in seiner Rubrik “Was ist eigentlich …” Begriffe aus dem Themengebiet der Nachhaltigen Entwicklung und darüber hinaus vor. Befragt werden immer Menschen “die es wissen müssen”. Und es freut mich besonders, dass sie mich jetzt dazu auserkoren haben “Was ist eigentlich… CSR” zu beantworten.
Wie wir die “CSR-Geschwindigkeit” erhöhen!
Hannes Offenbacher von Mehrblick hat mich zum Thema “Quo vadis CSR?” interviewt. Ist ein sehr feines Gespräch geworden, wie ich finde. Und auf meine Aussage “Wir müssen die CSR-Geschwindigkeit erhöhen!” bin ich besonders stolz ;-).
Zu finden ist das Interview im Blog von Hannes und von enorm.
Erfolge für KMU mit verantwortungsvoller Unternehmensführung
Anbei meine Folien und das Handout eines Vortrag im Rahmen der Netzwerk Veranstaltung „Verantwortung als Chance“ am 30.3.2011 in Luzern. Der volle Titel lautete „Erfolge für KMU und Familienunternehmen mit verantwortungsvoller Unternehmensführung – Erfahrungen aus Österreich“.
Und hier noch das (kurze) Handout:
Erfolg mit FAIRantwortung
Nachhaltigkeit bedeutet, mittels neuer Ideen und Initiativen eine Balance zwischen wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Bedürfnissen herzustellen. Dies beinhaltet zum einen den schonenden Einsatz von Ressourcen für kommende Generationen, zum anderen aber auch, dass ein Unternehmen einen respektvollen, transparenten und motivierenden Umgang mit all seinen Anspruchsgruppen pflegt. CSR ist die Abkürzung für Corporate Social Responsibility und dient als Instrument, um Nachhaltigkeit im Unternehmen zu verwirklichen.
In Österreich sind 99,7 Prozent aller Betriebe Klein- und Mittelunternehmen (KMU), welche traditionell stark in regionale Strukturen eingebunden sind. Die Umsetzung von Corporate Social Responsibility wird hier oftmals mit rein altruistischen Gründen, also der Realisierung von persönlichen, sozialen bzw. ethisch-moralischen Verpflichtungen, in Verbindung gebracht. Obwohl derartigen Zielsetzungen natürlich nichts entgegen steht, muss hervorgehoben werden, dass CSR-Maßnahmen nicht nur positive Auswirkungen auf die Gemeinschaft oder Umwelt haben, sondern auch die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen selbst verbessern können.
Der geschäftliche Mehrwert, den soziale und ökologische Initiativen mit sich bringen, bleibt darüber hinaus oft unerkannt und sein Potential daher von UnternehmerInnen unterschätzt. Der konkrete Geschäftsnutzen lässt sich jedoch häufig nicht an Zahlen festmachen und stellt sich auch nicht immer unmittelbar ein. Naheliegend ist jedoch, dass ein fairer Umgang mit GeschäftspartnerInnen, MitarbeiterInnen und der Umwelt sowie soziales Engagement in der Gemeinschaft Teile des wirtschaftlichen Erfolgs sind. Solche Maßnahmen werden allerdings selten langfristig geplant oder als strategisches Managementkonzept eingesetzt.
Was können also nun Anreize für die Umsetzung von Corporate Social Responsibility in KMU sein? Positive Wettbewerbseffekte, die KMU Forschung Austria in einer Unternehmensbefragung herausgearbeitet hat, sind unter anderem:
- verbesserte Wahrnehmung durch die KundInnen und höhere Kundenbindung, z. B. durch Pressemeldungen über das Unternehmen oder Mundpropaganda,
- erhöhte Loyalität und Motivation der MitarbeiterInnen, die zur höheren Einsatz- und Lernbereitschaft des Personals führen und in geringeren Fluktuations- und Abwesenheitszeiten resultieren,
- Kosteneinsparungen und Produktivitätsgewinne durch den effizienten Einsatz betrieblicher Ressourcen und Realisierung von Innovationen durch die Auseinandersetzung mit umweltschonenden Produktionsprozessen oder verstärkte Zusammenarbeit mit Schulen oder gemeinnützigen Einrichtungen,
- besserer Zugang zum Arbeitsmarkt und Stärkung der Markt- und Netzwerkbeziehungen und
schließlich Umsatzsteigerungen, hervorgerufen durch die vorab angeführten Faktoren.
Meistern Unternehmen diese Herausforderungen gut, leisten sie nicht nur einen wertvollen Beitrag für Gesellschaft und Umwelt sondern minimieren ihre Risiken, steigern die MitarbeiterInnenmotivation, stärken Kundenbindung und -vertrauen, erhöhen ihr Innovationspotenzial und generieren so Wettbewerbsvorteile am Markt.
Quellen:
- „Erfolg mit FAIRantwortung – CSR-Strategien und Berichte zur Nachhaltigkeit“
(Unternehmensplattform respACT) - „CSR und Wettbewerbsfähigkeit – Praxisbeispiele europäischer KMU“
(KMU Forschung Österreich)




