Nachhaltig in den Konkurs?
Ein Aufruf zu einer sachlichen Debatte! (Gastkommentar in BusinessArt, Februar 2013)
Alarmierende Schlagzeilen konnte man in den vergangenen Monaten in den Zeitungen lesen: „Konkurs über Backhausen eröffnet“, „Fair-Trade-Großhändler Eine Welt Handel insolvent“, „Griffnerhaus meldet Insolvenz an“. An sich nichts Besonderes: Die Wirtschaft ist ein Kreislauf. Neue Unternehmen und Geschäftsmodelle entstehen, andere hören auf zu existieren. Sei es, weil „die Krise“ die Rahmenbedingungen so weit erschwert hat, dass – oft nicht selbst verschuldet – einfach kein ertragreiches Wirtschaften mehr möglich ist. Oder weil die Unternehmen bei den massiven Veränderungen durch globalere Märkte und schnellere Informationstechnologien den Anschluss verloren haben. Aber in all dem wirtschaftlichen Auf und Ab der vergangenen Jahre gab es immer einen Hoffnungsschimmer: Nachhaltiges Wirtschaften garantiert den langfristigen Unternehmensbestand. Will heißen, jene Unternehmen die soziale und ökologische Themen in Ihre strategische Entwicklung integrieren, werden am Ende besser dastehen.
Doch jetzt das böse Erwachen: Drei Vorzeigeunternehmen im Bereich Nachhaltigkeit haben es scheinbar nicht geschafft. Backhausen hat im Bereich cradle-to-cradle Zeichen gesetzt und erheblich dazu beigetragen, dieses Thema in Österreich bekannt zu machen. Griffnerhaus dachte Fertighäuser neu und entwarf diese im Green Design im Einklang mit Mensch und Natur. Und Eine Welt Handel war in den letzten Jahren mit dem Schaffen fairer Handelsbeziehungen auf globaler Ebene einer der starken Promotoren von Fair Trade.
Es ist spannend, die jetzt stattfindenden Diskussionen rund um den erwarteten oder schon eingetretenen Konkurs dieser Unternehmen zu verfolgen. Die einen – „old school“ – haben es ja immer schon gewusst, dass sich rund um gesellschaftlich verantwortliches Wirtschaften kein „business case“ zimmern lässt. Die anderen – großteils in der Nachhaltigkeitsszene angesiedelt – schwanken zwischen Verzweiflung, Schönreden und Ignoranz.
Die Frage, warum diese Unternehmen gescheitert sind, lässt sich aufgrund des Studiums von Medienberichten nicht beantworten. Vielleicht wurde zu viel und zu risikoreich investiert, der Markt falsch eingeschätzt, oder der Wunsch, etwas in unserer Gesellschaft zum Positiven zu verändern, hat dazu geführt, dass wirtschaftlichen Kennzahlen weniger Bedeutung zugemessen wurde. Möglicherweise in der Überzeugung, dass es „die Nachhaltigkeit“ schon richten wird. Antworten werden wir sicherlich noch erhalten. Denn es ist diesen und anderen Unternehmen zu wünschen, dass aus einer Aufarbeitung neue Erkenntnisse gewonnen werden, die dann allen Wirtschaftstreibenden zu Gute kommen.
Wir leben in einem Veränderungsprozess der Zeit braucht. Eine neue, ressourcenschonende Wirtschaft mit politischen Rahmenbedingungen und Anreizsystemen, die diese unterstützt, existiert noch nicht. Und die alte, etablierte ist im Umbruch. Das zeigt auch die Zunahme der Intensität, mit der globale Großunternehmen in den letzten Jahren versuchen, sich einen Reim auf die Vision der Nachhaltigen Entwicklung und den wirtschaftlichen Beitrag dazu zu machen. Wir sind also alle aufgefordert, aus diesen – und natürlich auch aus positiven – Erfahrungen zu lernen und damit das sich verändernde System und seine Wechselbeziehungen besser zu verstehen. Mit dem Ziel, dass sich langfristig wirtschaftliche, ökologische und soziale Ziele in Unternehmen nicht kanibalisieren sondern in einer Gesamtstrategie zu langfristigem wirtschaftlichem Erfolg führen. Eben zu Nachhaltigem Wirtschaften.
DI Roman H. Mesicek ist Studiengangsleiter für Umwelt- und Nachhaltigkeitsmanagement an der IMC Fachhochschule Krems. Der Master-Studiengang bildet „innovative DenkerInnen“ für wirtschaftlich herausfordernde Zeiten aus, die neue Innovation und Konzepte für nachhaltiges Wirtschaften entwickeln.Dieser Kommentar ist auch auf der Webseite von BusinessArt abrufbar.
Januar 28, 2013
Von CSR, Tradition und Gießkannen
Vergangene Woche war ich eingeladen beim Stiftungssymposium des Österreichischen Sparkassenverbandes einen Vortrag zum Thema “Strategische CSR als Mehrwert für Unternehmen und Gesellschaft” zu halten. Geworden ist das Ganze ein 20-minütiger Überblick von Geschichte und Entwicklung des Konzepts Corporate Social Responsibility bis hin zu Nutzen und Beispielen für “Gemeinsamen Mehrwert”, besser bekannt als “Shared Value”. Zwei Beobachtungen, die sich aus den Gesprächen beim Symposium und der Diskussion meines Vortrags ergeben haben, beschäftigen mich derzeit:
CSR-Startvorteil durch Tradition!
Viele Unternehmen haben nach wie vor Schwierigkeiten jene Werte die mit CSR einhergehen (müssen) in Vision, Strategie und insbesondere Kultur zu verankern. Die Unternehmensgeschichte kann hier sehr wertvoll sein, wenn - wie auch bei den Sparkassen - schon bei der Gründungder Mensch im Mittelpunkt gestanden ist. Oft wird diese Basis als altmodisch oder nicht mehr zeitgemäß abgetan und die CSR-Strategie davon unabhängig erarbeitet. Dabei vernachlässigt man, welche hohe Identifikation mit einem Unternehmen Werte und Tradition auslösen (können) und wie leicht es sein könnte, diese mit den aktuellen Anforderungen an die gesellschaftliche Verantwortung zu verbinden. Geschickt gemacht, hat man sozusagen durch Tradition einen CSR-Startvorteil.
CSR-Strategie mit Gießkannen!
Die “Gießkanne” ist in Zusammenhang mit der gesellschaftlichen Verantwortung von Unternehmen in Verruf geraten. Warum? Weil damit in der Regel Sponsoring bzw. Projektunterstützung ohne Verknüpfung mit der Unternehmensstrategie und ohne engere Identifikation mit den bearbeiteten Themen verstanden wird. Auch ich bekenne, in meinen Vorträgen immer massiv auf die strategische Auseinandersetzung und die Bevorzugung von wenigen, aber dafür größeren und thematisch verknüpften Projekten zu pochen. Aber wie so oft ist die Welt nicht schwarz-weiß. In den Diskussionen nach meinem Vortrag, ging es insbesondere darum, dass diese “Gießkannen-Sponsoring-Töpfe” für viele Unternehmen einfach notwendig sein können, um Vertrauen und Bekanntheit im regionalen Umfeld zu schaffen. Konkret meinten einige TeilnehmerInnen, dass Sie eine gewissen Menge an Geldern für exakt diese kleineren Kooperationen mit Sportclubs, Schulen und Vereinen im Umfeld Ihrer Betriebsstandorte reservieren, um damit der Region direkt etwas zurückzugeben. Diese durchaus strategische Betrachtungsweise führt mich also zur Erkenntnis, dass die Gießkannen aus der CSR-Strategie von Unternehmen doch nicht wegzudenken sind - dieses Mittel sollte aber wohlüberlegt eingesetzt werden. Jetzt aber noch die Folien die ich verwendet habe:
März 21, 2012
Das Henne-Ei-Problem
Heute betrachteten wir in meiner Vorlesung die Entwicklung der Konzepte (und Begriffe) rund um Nachhaltige Entwicklung (NE) und Corporate Social Responsibility (CSR). Und immer wieder ertappe ich mich dabei die Frage zu stellen: Was war zuerst da - die Henne oder das Ei… NE oder CSR? Auch wenn das zugegeben den meisten Unternehmen die sich diesen Themen widmen herzlich egal sein wird so regt sich in mir doch immer auch eine gewisse akademische Neugier. Deshalb habe ich diesmal auch erstmals drei Quellen für die Vorlesung zusammengestellt, die sich in Details unterscheiden ansonsten aber (erwartungsgemäss) das selbe Bild zeichnen.
Keep it simple.

Bisher verwendete ich in meinen Präsentation eigentlich immer Martin Neureiters Darstellung, die ich 2008 in einer Präsentation der CSR Companyentdeckt habe. Das tolle daran ist, dass hier wirklich nur auf das wesentliche Bezug genommen wird und die Bilder die Verständlichkeit unterstützen. Insbesondere bei kürzeren Vorträgen ist das nützlich.
Das Original.

Thomas Loew lieferte 2004 die erste mir bekannte Darstellung in dem Bericht zur Bedeutung der internationalen CSR-Diskussion für Nachhaltigkeit und die sich daraus ergebenden Anforderungen an Unternehmen, verfasst von future e.V. und IÖW. Zur übersichtlichen Einführung der wichtigsten Begriffe finde ich diese Darstellung ausgesprochen geeignet.
Vollständig und aktuell.

Ganz neu ist Andreas Schneiders Darstellung (gestaltet gemeinsam mit Bettina Lorentschitsch und Thomas Walker) erschienen in Corporate Social Responsibility, herausgegeben von Andreas Schneider und René Schmidpeter und 2012 im Springer Gabler Verlag herausgekommen. Insbesondere die umfangreiche Aufnahme von aktuellen Themen der Diskussion, wie der neuen CSR-Definition der Europäischen Kommission aber auch der Rio+20 Konferenz tragen zu einer guten Übersicht bei. Da verzeihe ich den Autoren auch die Aufnahme des 2. Buch Moseals Ausgangspunkt der CSR Diskussion - das ist mir persönlich etwas weit hergeholt (obwohl sich sicher auch das argumentieren lässt).
Fazit.
Helmut Qualtinger würde jetzt wahrscheinlich fragen, “za wos brauch ma des”, wenn sich doch Unternehmen - die Adressaten des Konzepts CSR - nicht oder kaum für theoretische Hintergründe interessieren. “Wir” brauchen es vor allem für eine andere Zielgruppe: die Vielzahl an Expertinnen und Experten die sich in diesem Feld tummeln. Uns allen würde es gut tun, endlich zu einem gemeinsamem Begriffsuniversum zu finden (und sich dazu zu bekennen). Viele endlose Podiumsdiskussionen zu Definitionen und Abgrenzungen (ja, die gibt es auch noch im Jahr 2012!) könnten wir uns ersparen und endlich einmal zur Sache - der Umsetzung - kommen!
März 15, 2012
Ein Nachhaltigkeitsquiz
Wieder einmal versuche ich meinen Blog zu beleben und mit Inhalten zu füllen. Konkreter Anlass ist dieses Mal meine Vorlesung an der Wirtschaftsuniversität Wien zum Thema “Corporate Social Responsibility (CSR) - Die Verantwortung der Unternehmen für ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft”. Anhand der 12 Einheiten werde ich - manchmal kürzer, manchmal ausführlicher - verschiedene Themen aufgreifen und hier darüber schreiben. Die Lehrveranstaltungen der GeKo-Reihe (steht für Gesellschaftlicher Kontext wirtschaftlichen Handelns”) wollen die Fähigkeiten der Studierenden fördern, bei wirtschaftlichen Entscheidungen ethische, soziale und umweltpolitische Probleme mitzureflektieren. In diesem Sinne beginne ich die Vorlesung (und eigentlich fast jedes Seminar in den vergangenen Jahren) auch gleich mit einem Nachhaltigkeitsquiz, dass dazu anregen soll, sich die globalen Zusammenhänge und Herausforderungen bewusst zu machen. Zu den Fragen gibt es dann jeweils natürlich eine Auflösung und im Anschluss daran die Diskussion für die jeweilige Zielgruppe relevanter Inhalte. Das sieht dann ungefähr so aus:
Allerdings ohne Auflösung und ohne weitere Details zu den Themenbereichen :-) Das Quiz ist immer eine gute Gelegenheit die ZuhörerInnen kennenzulernen sowie deren Wissen über Nachhaltige Entwicklung zu sondieren. Und es ergeben sich fast immer angeregte Gespräche. Gestern zum Beispiel hat sich, nach dem Video von Hans Rosling zur Bevölkerungsentwicklung, eine gute Diskussion zu der Vielschichtigkeit der Herausforderungen vor denen die Gesellschaft steht entwickelt.